Der Neuanfang nach dem II. Weltkrieg

Der Gedanke an ein Schützenfest als Volksfest schien nach dem Zusammenbruch 1945 für lange Zeit unmöglich. Im Frühjahr des Jahres 1949 wurden erste Überlegungen angestrengt, wieder ein Bürgerschützenfest in Südlohn zu feiern. Die Entscheidungen waren nicht leicht. Nicht wenige waren von Skepsis erfüllt, ob die Zeit schon wieder reif sei, um ein Schützenfest feiern zu können. Letztlich überwog aber der Wunsch, an überlieferte Traditionen wieder anzuknüpfen. Voll Vertrauen auf ein gutes Gelingen ging eine Gruppe Männer, Freunde des Schützenwesens, die schon bei den Schützenfesten vor dem Krieg Funktionen als Vorstände oder Offiziere inne hatten, beherzt ans Werk. Mit Ausnahme der Königskette war das gesamte Vereinsgut beim Bombenangriff zerstört worden, so dass alle Utensilien neu beschafft werden mussten.

Das Schützenfest wurde auf den 28. und 29. August festgesetzt. Das Festzelt stand an der Bahnhofstrasse zwischen Hollad und Hövel im Reuken. Nach alter Gepflogenheit hatte die Bürger-Junggesellen-Compagnie für die Vogelstange zu sorgen. Da die alte Stange morsch war, wurde sie durch eine neue Vogelstange ersetzt.

Als Präsident fungierte der Zahnarzt Dr. Tenhagen. Das Offizierscorps wurde angeführt vom Oberst Heinrich Deelmann und dem Oberstleutnant Heinrich Hövel. Die Kompanien marschierten unter dem Kommando von Major August Hummels.

Am Sonntag wurde das amtierende Königspaar von 1938 Franz Frechen und Anna Bürger auf der Kirchstraße ausgeholt und mit einem Festzug durch den Ort und der Parade auf dem Marktplatz geehrt. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde ein großer Fackelzug veranstaltet, der großen Zuspruch fand.

Der Montag stand traditionell ganz im Zeichen des Vogelschießens. Wegen der Auflagen der alliierten Besatzungsmacht durfte nur mit der Armbrust geschossen werden. Nach dem erfolgten Königsschuss war der Jubel unter den Bürger-Junggesellen besonders groß. Wie immer, wenn sie kein eigenes Fest feierten, hatten die Junggesellen am allgemeinen Bürgerschützenfest teilgenommen. Erster Schützenkönig wurde der Captain der Bürger-Junggesellen-Compagnie Gustav Hövel. Zur Königin erkor er sich Anny Osterholt (Frau Bütterhoff).

Nach dem gelungenen Schützenfest wurden sofort erste Planungen für das nächste Jahr getroffen. In dieser Zeit sind auch erste Überlegungen zur Zusammenlegung der Südlohner Schützenvereine im Gespräch. Die Verhandlungen waren aber noch nicht so weit. Nachdem der Schützenverein Wienkamp-Horst seine ursprünglichen Pläne im Jahr 1950 ein Schützenfest zu feiern, nicht realisieren konnte, wurde auch in diesem Jahr ein Bürgerschützenfest gefeiert.

f-020

Dr. Josef Tenhagen, Präsident des Schützenvereins 1949 / 1950

f-003-ruckseite

Bürgerschützenfest 1949: Festumzug durch die im Wiederaufbau befindliche Kirchstraße, rechts im Hintergrund die alte Schule, heute Parkplatz gegenüber der St. Vitus-Pfarrkirche

f-134

Bürgerschützenfest 1949: Ausholen des Königspaares von 1938 auf der Kirchstraße

Oberst Heinrich Deelmann, Thronadjudant Bernhard Uphaus, Königin Anna Bürger, König Franz Frechen, Thronadjudant Anton Finke, Oberstleutnant Heinrich Hövel

f-015

Bürgerschützenfest 1949: Vogelschießen, nach dem 2. Weltkrieg durfte wegen der Auflagen der Alliierten zunächst nur mit einer Armbrust geschossen werden.

Als Schütze: Major August Hummels, 1950 war er König

f-135

Thron Bürgerschützenfest 1949::

Königin Anny Osterholt (Frau Bütterhoff), König Gustav Hövel, dahinter; Anneliese Wigger, Hildegard Osterholt, Heinz Wehr, Margret Wehr

f-016

Bürgerschützenfest 1950:

Pfarrer Adolf Bleister und Oberst Heinrich Deelmann

f-017

Bürgerschützenfest 1950: Vorstand im Festumzug in der Holzstraße, im Hintergrund: Haus van Almsick

Ferdinand Röttger, Franz Telöken, Erich Fischer, Wilhelm Bürger (verdeckt), Theodor Sparwel, Karl Uphaus, Franz Demes, Bernhard Lüdiger

f-018

Bürgerschützenfest 1950: 1. Kompanie im Festumzug in der Holzstraße, links im Hintergrund: Grundstück Krüchting, noch unbebaut

Hauptmann Josef van Almsick, Leutnant Bernhard Robers, Schützen Walter Schreiber, Wilhelm Markötter, Wilhelm Hövelbrinks

Der nachfolgende Bericht zum Schützenfest im August 1950 ist den Westfälische Nachrichten vom 29. August 1950 entnommen:

„Frohe Südlohner Schützentage

August Hummels tat den Meisterschuß – Königin Frau Hövelbrink-Böing

Durch das herrliche Sommerwetter begünstigt, rollte in diesen Tagen in Südlohn ein Schützenfest ab, wie es schöner, imposanter und gemütlicher nicht sein konnte. Wiederum hat Südlohns Bürgerschaft den Beweis erbracht, dass in Südlohn der Geist einer echten Dorfgemeinschaft noch vorhanden ist. Das Vorhandensein dieser Gemeinschaft tat sich beim äußeren Ablauf sowie auch bei den gemütlichen Stunden im Festzelt in jeder Weise kund.

Wenn die vielen Südlohner, die von auswärts kamen, um diese Festtage in Südlohn zu verbringen, unser Dorf wieder verlassen, dann werden sie noch oftmals an die schönen Stunden zurückdenken. Als am Samstagabend die Schützen im Festzelt ihr Holzgewehr mit dem grün-weißen Vereinsband in Empfang nahmen, herrschte schon prächtige Stimmung.

Der Reigen des sonntäglichen Festprogramms begann mit dem Abholen der Fahnen aus dem Lokal Röttger, um dann unter Vorantritt der Südlohner Musikkapelle in der Folge den Obersten H. Deelmann, den alten König G. Hövel und die Königin F. Anni Osterholt abzuholen. Dann setzte sich der große Zug in Bewegung, um zum Kriegerdenkmal zu marschieren. Dort gedachte man der Gefallenen und der Opfer des Luftkrieges beider Kriege. In kurzen mitreißenden Worten mahnte der Präsident der Bürgerschützen, Dr. Tenhagen, alle Anwesenden, der Toten zu gedenken und ihr Andenken in Ehren zu halten. Nachdem die Musikkapelle das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“ intonierte und die Anwesenden ihren Hut abnahmen, legte der Oberst einen prächtigen Kranz nieder. Vom Ehrenmal bewegte sich der Zug durch das gesamte Dorf, um sich traditionell auf dem Marktplatz zum Parademarsch vor dem Königspaar und dem Vorstand zu formieren. Nach der Parade gings zum Festzelt, wo dann der gemütliche Teil seinen Anfang nahm und die Beteiligten die Gelegenheit ergriffen, um Staub und Schweiß abzuspülen. In prächtiger Stimmung verflogen die Stunden.

Der Montag, der Haupttag unseres Festes, begann um 8 Uhr mit dem Abholen der Offiziere durch die Schützen. Am Zelt wurden durch den Vorstand die auswärtigen Deputationen empfangen. Nachdem König und Königin abgeholt waren, bewegte sich der lange Zug zur Vogelstange bei Emming-Bröking. Der Zug mit seinen vielen Kutschwagen und den berittenen und Federschmuck tragenden Offizieren bot einen prächtigen Anblick. Die gesamte Einwohnerschaft, aus Bauerschaften und dem Ort, folgten dem Zug zur Festwiese. Ein kurzes Gedenken an die toten Schützenbrüder bildete den Auftakt zum Vogelschießen, das vom alten König mit dem ersten Schuß eröffnet wurde. Als zweiter schoß traditionsgemäß Pfarrer Bleister und dann Bürgermeister Diekmann, anschließend das gesamte Offizierskorps und die Schützen. Nachdem der Vogel sich zu zäh erwies und die Munition schon knapp wurde, musste man sich zu einer kleinen Lockerung entschließen, aber auch dann trotzte der Vogel noch manchem Schuß. Die Spannung stieg immer mehr auf den Höhepunkt. Hunderte von Zuschauern umsäumten die Vogelstange. Als dann mit einem wohlgezielten Schuß der Major August Hummels den Vogel herunterholte, kannte die spontane Begeisterung keine Grenzen. Auf den Schultern der Schützen wurde der König zur Theke getragen. Nach einer kurzen Besprechung mit den Offizieren und dem Vorstand erkor er sich Frau Anna Hövelbrink-Böing zur Königin, als Ehrendamen wurden Frau Bennemann und Frau Hummels erwählt.

Nach der feierlichen Überreichung der Königskette und der Krone an die Königin setzte sich der Zug in Bewegung. Hier bildete die Parade vor dem neuen Königspaar den Höhepunkt des Montags. Aus den Dankesworten des Königs sprach Freude und Anerkennung für den bisherigen Verlauf und die glanzvolle Parade.

Der Abend brachte einen herrlichen Fackelzug durchs Dorf, an dem sich die gesamte Gemeinde beteiligte. Im Festzelt herrschte an allen Ecken und Enden große Stimmung. Leider vergingen die Stunden zu schnell, und auch Südlohns Schützenfest gehört wieder der Vergangenheit an. Aber die Tage waren so voller Harmonie und Eintracht, dass die Erinnerung daran unauslöschlich bleibt.“

Soweit der Artikel in den Westfälischen Nachrichten.

f-136

Bürgerschützenfest 1952: Ausholen des Königspaars von 1950 auf der Eschstraße

Königin Anna Hövelbrinks, König August Hummels, Oberst Heinrich Deelmann