15.00 Uhr    Kaffeetafel der ehemaligen Königspaare mit ihren Throngemeinschaften

16.00 Uhr    Antreten der Schützen im Festzelt. Ausholen des amtierenden Kaisers und der ehemaligen Könige am Haus

Wilmers. Kaiserschießen aller ehemaligen Könige anschl.    Festzug durch den Ort und Parade vor dem Kaiserpaar

19.30 Uhr    Empfang der Gäste im Festzelt

20.15 Uhr    Antreten der Schützen im Festzelt  „Hoher Tag“ im Ortskern. Geschenk des Spielmannszuges, der

Musikkapelle und der Südlohner Chöre

21.00 Uhr    Großer Jubiläumsfestball

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Tag der Königspaare und Throngemeinschaften

Kaiserschießen und Parade bei Kaiserwetter

Der Samstag, der 26.August 2006 stand ganz im Zeichen der ehemaligen Königspaare mit ihren Throngemeinschaften. 29 ehemalige Könige und 31 ehemalige Königinnen und mehr als 270 ehemalige Ehrendamen und Ehrenherren waren der Einladung zur Kaffeetafel gefolgt.

Alle Gäste wurden vom Geschäftsführer Josef Sibbing begrüßt, stellvertretend für den Präsidenten Karl-Heinz Tenbrake, der selbst als König 1979 und amtierender Kaiser geladen war. Dieser wurde vom Geschäftsführer mit einem Orden besonders geehrt, weil er zum Vereinsjubiläum auch das silberne Jubiläum als 1. Kaiser in der Vereinsgeschichte (Jubiläum 1981) begehen konnte. Leider ist die damalige Kaiserin und Königin von 1979 Magdalene Hummels schon verstorben. Stellvertretend erhielt die Ehefrau des Kaisers Beate Tenbrake einen Blumenstrauß. Ebenfalls wurde mit einem Blumenstrauß die Königin von 1981 Maria Doods als Silberkönigin geehrt. Zur Erinnerung an das Jubiläum erhalten schließlich alle ehemaligen Könige und Königinnen als Geschenk die Jubiläumsuhr des Schützenvereins.

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Könige des St. Vitus Schützenvereins: 1. Reihe sitzend: Otger Terhürne (1972), Karl Büsker (1984), Peter Siemens (1966), Heinrich Schrieverhoff (1978), Heinz Röttger (1953), Josef Robers (1961). 2. Reihe: Major Günter Schultz, Karl-Heinz Ladenberger (1987), Konrad Tegeler (1976), Dirk Assing (1994), König Rudi Terhörne (2005), Kaiser Karl-Heinz Tenbrake (1979); Heinz Sparwel (1982) Paul Bone (1999), Olaf Thomes (1993), Adjudant des Majors Edgar Kocks, 3. Reihe: Josef Höing (1990), Hugo Emmerich (1988), Heinrich Sibbing (1997), Bernd Röttger (1996), Josef Tenk (1991), Winfried Knuth (1998), 4. Reihe: Werner Böing (1986), Berthold Büsker (1992), Martin Nienhaus (1989), Josef Tenbrake (2001), Paul Bone Winkel (1985), 5. Reihe: Christian Spicker (2004), Günter Sparwel (2003), Stefan Schultz (2002), Franz-Josef Niestegge (2000)

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Königinnen des St. Vitus Schützenvereins: 1. Reihe sitzend: Walburga Wehr (1969), Adelgunde Frechen (1966), Anni Mersmann (1958), Antonia Schulze Weddeling (1953), Ingrid Schulze Wehninck-Siebing (1961), Agatha Röttger (1976) 2. Reihe: Maria Tegeler (1980), Beate Nagel (1991), Maria Gehling (1990), Major Günter Schultz, Königin Hiltrud Schrieverhoff (2005), Adjudant des Majors Edgar Kocks, Elisabeth Schmitz (1982), Hermine Jödden (1995), Mathilde Geuking (1988) 3. Reihe: Martha Emmerich (2001), Dorothee Ladenberger (1999), Hildegard Tenbrake (1987), Agnes Doods (1975), Anneliese Schmitz (1973), Veronika Huesker (1983), Elisabeth Upgang (1985), Andrea Lüdiger (1997), Andrea Tebrügge (1996), Marion Langenbrink (1993), 4. Reihe: Maria Doods (1981), Lisa Rathmer (2000), Christa Bennemann (1992), 5. Reihe: Ruth Assing (1994), Anke Wentholt (2003), Nadine Robers (1998), Sonja Heisterkamp (2002), Nicole Lansing (2004)

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Gegen 16.00Uhr trat dann das 300 Schützen zählende Bataillon im Festzelt an, um in den Ortskern zu ziehen und den amtierenden Kaiser Karl-Heinz Tenbrake und alle ehemaligen Könige am Haus Wilmers zum Kaiserschießen auszuholen. Als Major führte das Vorstandsmitglied Günter Schultz das Bataillon an, weil alle Stabsoffiziere selbst als König oder Ehrenherr den Throngemeinschaften angehörten. Während des Festzuges zur Vogelstange am Festzelt gingen erste bange Blicke zum Himmel. Vom angekündigten schlechten Wetter sollte der Schützenverein an diesem Tag doch noch verschont bleiben und die dunklen Wolken machten langsam der Sonne Platz.

Unter großer Beteiligung der Südlohner Bevölkerung traten 29 ehemalige Könige zum 2. Kaiserschießen in der 400-jährigen Vereinsgeschichte an. Nach der Schießordnung begann der amtierende Kaiser Karl-Heinz Tenbrake, danach alle ehemaligen Könige in der Reihenfolge wie sie König gewesen waren. Die Kaiserwürde konnte nur erlangt werden, wenn die damalige Königin als Kaiserin zur Verfügung stand.

Nachdem der dienstälteste Teilnehmer Heinz Röttger (König 1953) aus dem Bewerberfeld zurücktrat, formierten sich Paul Bone-Winkel (König 1985), Berthold Büsker (König 1992), Dirk Assing (König 1994), Heinrich Sibbing (König 1997), Franz-Josef Niestegge (König 2000), Stefan Schultz (König 2002) und Christian Spicker (König 2004) zum Endkampf um die Kaiserwürde des St. Vitus Schützenvereins. Mit einem satten Volltreffer beendete Franz-Josef Niestegge den spannenden Wettkampf. Der Jubel ließ noch kurz auf sich warten, weil eine zur Befestigung des Vogels dienende kleine Hartholzfaserplatte noch zu sehen war und für kurze Verwirrung bei Beteiligten und Zuschauern sorgte. Das klare Signal von Schießaufsicht Alfons Picker und Ortspolizist Theo Wilmers schaffte aber schnelle Klarheit und der neue Kaiser konnte die ersten Ovationen an der Vogelstange entgegennehmen. Major Günter Schultz überreichte die Kaiserkette, die eigens zum Jubiläum aus den ältesten Königsplaketten des Vereins von 1864 bis 1937 neu angefertigt worden war.

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Die Königin von 2000 Lisa Rathmer wurde als Kaiserin vom jetzt „ehemaligen“ Kaiser Karl-Heinz Tenbrake gekrönt. Den Kaiserthron bildete das damalige Throngefolge mit Manfred Rathmer und Doris Niestegge, Franz-Josef Föcking und Etta Sicking, Reinhard Sicking und Monika Röttger sowie Manfred Röttger und Rita Föcking.

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Zum Festzug konnte der Major Günter Schultz wiederum ein starkes Bataillon anführen. An der Spitze formierten sich alle ehemaligen Königspaare mit ihren Throngemeinschaften und die an diesem Tag nicht erwartete Sonne lieferte echtes „Kaiserwetter“. Die Begeisterung kannte keine Grenzen. Bereits vor der eigentlichen Parade ertönte „So ein Tag so schön wie heute“ und die Throngemeinschaften zeigten auf dem Marktplatz eine perfekte „La-o-la- Welle“. Dem Kaiser Franz-Josef und der Kaiserin Lisa sowie ihrem Throngefolge galt dann die zackige Parade auf dem Marktplatz.

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Hoher Tag und Feuerwerk am Ehrenmal

„Feinste Spielkunst des westfälischen Barock“

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Am Samstagabend reihte sich dann der nächste Höhepunkt in das Jubiläum ein. Spielmannszug Südlohn, Musikkapelle Südlohn, Männerchor Südlohn und die St. Vitus Chorgemeinschaft Südlohn schenkten das anspruchsvolle Musikwerk „Hoher Tag“ dem Schützenverein zum 400-jährigen Jubiläum. Mehr als 100 Musiker hatten sich intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet und nicht nur Musikexperten durften sich auf einen „musikalischen Leckerbissen“ freuen.

Mit Einbruch der Dunkelheit formierte sich im Festzelt ein Fackelzug, wie ihn Südlohn wohl noch nicht gesehen hatte. Spielmannszug und Jugendspielmannszug begleitet von Fackelträgern der Jugend-Feuerwehr, der Kaiserthron mit seinen Gästen, das amtierende Königspaar mit seinem Throngefolge, Vorstand, Offiziere, alle ehemaligen Throngemeinschaften sowie die Schützen bildeten im wortwörtlichen Sinn den „Großen Fackelzug“, der sich durch den Ortskern auf den Weg zum Alten Friedhof machte, wo sich bereits zahlreiche Zuschauer eingefunden hatten.

Als alle Musiker Aufstellung bezogen hatten, bot sich dort unter dem hohen Baumbestand eine imposante Kulisse. Einen besseren Platz hätte man für dieses Ereignis nicht auswählen können. Die musikalische Leitung lag in den Händen von Michaela Hayk vom Spielmannszug und Christian Köhler von der Musikkapelle, die sich im Dirigat abwechselten. Zu Beginn hatte Herr Bürgermeister Georg Beckmann die Aufgabe übernommen, allen Gästen den Hohen Tag in seinen 6 Sätzen zu beschreiben und als „feinste Spielkunst des westfälischen Barock“ anzukündigen.

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Der Hohe Tag ist eine Komposition von Friedrich Deisenroth, die, aufbauend auf altem musikalischem Brauchtum früher Jahrhunderte, in einzigartiger Weise verschiedene Klangkörper miteinander verbindet. Die sechssätzige Suite wurde nämlich für großes Blasorchester, Spielmannszug, Kinder- oder Frauenchor und Männerchor komponiert und beschreibt sehr eindrucksvoll einen „Pfeifertag“ in Westfalen des 17. Jahrhunderts.

An diesen „Pfeifertagen“ trafen sich die mittelalterlichen Spielleute, Trompeter, Pauker, „Thürmer und Stadtpfeifer“ und „Pfeiferbanden“ verschiedenster Art, um ihre rechtlichen Angelegenheiten oder Verstöße gegen die Regeln der Zunft zu ordnen. Die Spielleute meist ländlicher Gebiete hatten sich in Bruderschaften und Zünften organisiert. Sie waren immer noch Fahrende, durften ihren Beruf aber nur in einer begrenzten Gegend ausüben, für die sie dann das absolute Privileg besaßen. Nicht organisierte „Schwarzarbeiter“ riskierten eine Geldstrafe oder gar den Einzug ihres Instrumentes, wenn man sie beim „heimlichen Auftritt“ erwischte.

Die Verwaltung, Rechtsprechung und Überwachung der Zunft-Statuten lag in den Händen eines Pfeiferkönigs der an einem solchen Pfeifertag in sein Amt gewählt wurde. Die Pfeifertage waren musikalische Höhepunkte der Spielleute und gleichzeitig auch Volksfeste mit traditionell vorgegebenem Ablauf, der sich in den sechs aufgeführten Sätzen widerspiegelte.

Der erste Satz, „Die Ratsmusikanten auf dem Turm“, erklang als spätmittelalterliche Turmmusik mit wenigen Blechbläsern und Kesselpauken mangels Turm, aber nicht weniger effektvoll von einer nahe gelegenen Dachterrasse aus. Die trotz der Entfernung beachtliche Klangwirkung erzeugte den Eindruck, als würden alle zu dieser Versammlung aufgerufen.

Mitschnitt vom Hohen Tag

Es folgte im zweiten Satz mit dem Weckruf des Spielmannszuges die „Tagwacht“. Der dritte Satz „im Münster“ erinnerte an einen feierlichen Festgottesdienst und spiegelte einen feierlichen Abschnitt der Messe wieder. Danach luden die Musiker im vierten Satz zum „Bankett“ ein, in dem man förmlich die Würde und Erhabenheit spüren konnte, wie gravitätisch die Rats- und Schützenherren mit ihren großen Ordensketten den Saal betreten. Abwechslungsreich setzte sich die Suite im fünften Satz mit einem virtuosen „Trillertanz“ fort, der durch ständige Steigerung der Lautstärke, des Tempos und der Instrumentierung einzigartige Wirkung erzielt.

 

Die „Nachtwache“ im sechsten Satz bildete den ausdrucksvollen Abschluss der Komposition und stellte einen Zapfenstreich eigener Art dar. Nach der Einleitung des Spielmannszuges wurde zunächst das Zapfenstreich-Thema vorgestellt. Doch nach zehn anschließenden Glockenschlägen erschien als Nachtwächter aus der Dunkelheit heraus Franz-Josef Rickers, der das berühmte Nachtwächterlied als Solo und gemeinsam mit dem Chor vortrug. Dann erklang das Nachtwächterhorn; das Zapfenstreich-Thema erschien erneut, wurde jetzt aber in Kombination mit dem Nachtwächterlied präsentiert, so dass das Werk mit einem klangvollen, bombastischen Finale endete.

Mitschnitt vom Hohen Tag

Konzentriertes Zuhören, Ergriffenheit und die Freude der Zuschauer mündete in stürmischen Beifall, nicht ohne eine Zugabe zu fordern. Mit der „Ode an die Freude“ aus Beethovens 9. Sinfonie „Freude schöner Götterfunken“, dessen Instrumentalversion die Hymne der Europäischen Union ist, setzen die Musikvereine auch in der Zugabe nochmals ihr volles Können unter Beweis und sorgen gemeinsam mit dem Feuerwerk für einen fulminanten Abschluss der Veranstaltung.

Die Münsterland Zeitung schrieb in den folgenden Tagen dazu: „Es war der grandiose Abschluss eines akustischen Feuerwerks, das die vereinte Musikerschar schon vor dem eigentlichen pyrotechnischen Zauber abbrannte.“

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Nach dem Hohen Tag wurde das Festprogramm im Festzelt fortgesetzt mit dem Festball des Kaiserpaares, zu dem auch an diesem Abend die Band „Pole Position“ bis in die frühen Morgenstunden aufspielte.